Familienunternehmen sind sicher, wenn die Nachfolge steht
Wer in einem Familienunternehmen arbeitet, ist seltener von Kündigung bedroht, zahlt dafür aber mitunter bei Gehalt und Aufstieg. Die Sicherheit hängt zudem an einer Bedingung, die man vor dem Wechsel prüfen kann. Und gerade jetzt suchen viele Familien Verantwortung außerhalb der eigenen Reihen.
Für einen sicheren Arbeitsplatz würden fast alle etwas hergeben. 95 Prozent der Teilnehmenden der Karrieretage Familienunternehmen 2025 erklärten sich bereit, dafür auf Vorteile zu verzichten, auf Boni, Dienstwagen oder Homeoffice, einige sogar auf Aufstiegschancen. Beim Grundgehalt endet die Großzügigkeit. Darauf würden nur 4 Prozent teilweise verzichten.
Ausgewertet hat die Befragung die TU München für die Stiftung Familienunternehmen, eine Interessenvertretung großer Familienunternehmen. Befragt wurden 650 Menschen, die gezielt zu Karrieretagen von Familienunternehmen gekommen waren. Die Ergebnisse gelten also für Leute, die ohnehin offen für diesen Arbeitgebertyp sind. Gerade deshalb sind sie aufschlussreich. Zwei Drittel von ihnen trauen Familienunternehmen eher zu, auch in der Krise Arbeitsplätze zu halten. Nur 5 Prozent sehen dabei andere Unternehmen im Vorteil.
Das Bedürfnis dahinter ist verständlich. Ein Wechsel gilt derzeit vielen als Risiko, und während Konzerne Werke verlagern, rückt der Mittelstand für erfahrene Führungskräfte aus den Konzernen näher.
Die Sicherheit im Familienunternehmen ist real. Sie hat aber einen Preis, und sie hat eine Bedingung. Wer beides kennt, kann ein Angebot besser beurteilen, als es das Etikett Familie allein erlaubt.
Wer seine Leute beim Namen kennt, kündigt später
Die Forschung stützt das Gefühl. Eine Studie zu Lohn und Arbeitsplatzsicherheit in Familienunternehmen hat Lohn- und Personaldaten französischer Betriebe ausgewertet. In Familienunternehmen wird seltener gekündigt, und die Beschäftigten selbst schätzen ihr Entlassungsrisiko niedriger ein. Müssen solche Unternehmen schrumpfen, stoppen sie eher die Einstellungen, als Leute vor die Tür zu setzen.
Die Daten stammen aus den 2000er-Jahren, für Deutschland fehlt eine vergleichbar feine Auswertung. Das Muster deckt sich aber mit dem, was ich in Gesprächen mit Inhaberinnen und Inhabern höre. Wer seine Leute beim Namen kennt, kündigt später.
Führungskräfte zahlen für die Sicherheit kaum drauf
Dieselbe Studie zeigt die Kehrseite. Familienunternehmen zahlen im Schnitt etwas weniger, und nur ein Teil davon erklärt sich damit, dass dort andere Leute arbeiten. Die Autoren deuten es als Tausch, ein wenig Gehalt gegen ein geringeres Risiko.
Für Führungskräfte steckt darin eine gute Nachricht. Bei Managern, Vorgesetzten und Technikern fanden die Forscher keine nennenswerte Lücke. Die Abschläge treffen vor allem Sachbearbeiter und gewerbliche Beschäftigte. Wer führt, bekommt die Ruhe in dieser Untersuchung also ohne messbaren Aufpreis.
Wenn drei Geschäftsführer denselben Nachnamen tragen
Teurer kann etwas anderes werden. Die Ökonomen Morten Bennedsen, Margarita Tsoutsoura und Daniel Wolfenzon haben für ihre Studie zur Talentlücke in Familienunternehmen dänische Registerdaten ausgewertet, mit IQ-Werten aus der Musterung und Schulnoten. Familienkontrollierte Unternehmen beschäftigen danach im Schnitt weniger leistungsstarke Leute, am deutlichsten bei oberen Führungskräften. Als eine Ursache nennen die Forscher Nepotismus auf allen Ebenen. Wer nicht zur Familie gehört, kommt seltener nach oben, und genau das schreckt die Ehrgeizigsten ab.
Aufstieg ist dort trotzdem möglich. Man sollte nur vor dem Wechsel wissen, welche Positionen die Familie für sich behält. Ein Blick ins Organigramm ist deshalb auch ein Blick in die eigene Karriere.
Sicher ist nur, was geregelt ist
Bleibt die Sicherheit selbst, und die hat Voraussetzungen. Im Family Business Survey von PwC berichten 30 Prozent von 150 befragten Familienunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz für 2025 von sinkenden Umsätzen, so viele wie nie seit Beginn der Erhebung 2002. Für Bewerber wichtiger ist eine zweite Zahl. Ein Drittel hat keine Nachfolgeplanung.
Im breiten Mittelstand, zu dem auch viele Kleinbetriebe gehören, sieht es ähnlich aus. Laut Nachfolge-Monitoring von KfW Research sind 57 Prozent der Inhaber 55 Jahre oder älter. Unter denen, die ihren Rückzug planen, wollen erstmals etwas mehr den Betrieb schließen als übergeben. Und wo die Übergabe kurz bevorsteht, sinken die Investitionen um rund ein Drittel. Die Loyalität eines Inhabers schützt seine Leute, solange er da ist. Danach zählt, was er geregelt hat.
Vier von zehn Familienunternehmen holen sich Führung von außen
Genau hier liegt die Chance für alle, die nicht zur Familie gehören. Laut PwC haben 4 von 10 Familienunternehmen ihre Geschäftsführung um familienfremde Fachleute erweitert oder planen es. 44 Prozent beklagen, dass immer weniger aus der nächsten Generation einsteigen wollen. Und nach den KfW-Daten erwägen 28 Prozent der Mittelständler mit Nachfolgeplänen, das Unternehmen an Beschäftigte zu übergeben.
Wo die Familie ihre Nachfolger nicht mehr in den eigenen Reihen findet, wird die Decke durchlässig. Wer heute wechselt, kommt womöglich genau in dem Moment, in dem eine Familie lernen muss, Verantwortung abzugeben.
Ein Familienunternehmen ist dann ein guter Arbeitgeber, wenn die Familie weiß, was sie behält und was sie abgibt. Wer das vor der Unterschrift herausfindet, bekommt die Sicherheit, für die so viele fast alles hergeben würden. Und muss dafür nicht einmal ans Grundgehalt.
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